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Denkmalpflegeplan

Ein Denkmalpflegeplan für Bergisch Gladbach

Der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss hat in seiner Sitzung am 24.09.2015 die Aufstellung eines Denkmalpflegeplans für die Stadt Bergisch Gladbach beschlossen. Dem voraus ging ein entsprechender Bürgerantrag des Bergischen Geschichtsvereins.

Die Begründung für die Aufstellung eines Denkmalpflegeplans zum jetzigen Zeitpunkt liegt in dem hohen Potential eines solchen Werks für die weitere Entwicklung der Stadt, ihre zukünftige städtebauliche Qualität sowie den Erhalt und die Stärkung der Identität des Ortes.


Bergisch Gladbach befindet sich in einem stadtentwicklungsbezogenen und stadtstrukturellen Veränderungsprozess. Umfangreiche Planungsprozesse wurden zeitnah begonnen oder beginnen in Kürze: Neuaufstellung FNP, Integriertes Handlungskonzept Bensberg, Integriertes Handlungskonzept Gladbach, Rahmenplanung Stadtmitte, neue Bebauungspläne in der Innenstadt. Die Pläne werden u.a. mit der Zielsetzung erarbeitet, ein eigenes und eindeutiges Profil, eine ,,unverwechselbare Identität“ der Stadt herauszuarbeiten, ihre Potentiale und Qualitäten zu stärken.

Ein Denkmalflegeplan leistet zu dieser Aufgabenstellung einen wesentlichen Beitrag. Bei allen Planungen sollten die charakteristischen Merkmale der Stadt, die über bereits eingetragene Bau- und Bodendenkmäler weit hinausgehen, Berücksichtigung finden. Das bauliche Erbe ist zu schützen und zu pflegen, die Geschichte der Stadt lebendig zu erhalten und die Werte der Kulturlandschaft hervorzuheben.

Veränderungen im Stadtbild werden von der Bevölkerung häufig mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die Trennung von Gewohntem und Vertrautem wird oft nur schwer akzeptiert und als Verlust empfunden. Enorme gesellschaftliche, soziale und politische Veränderungen verstärken das Gefühl von Verlust und Unsicherheit. Mit der Erstellung eines Denkmalpflegeplans wird dem historisch Gewachsenen, dem Denkmalwürdigen und Erhaltenswerten ein neuer und angemessener Stellenwert gegeben und gezielt der Verunsicherung entgegengewirkt. Das aus fachlich denkmalpflegerischer Sicht Positive wird bewusst in die Planung integriert und somit wertvoller Bestandteil der auf Zukunft ausgerichteten Planung.

Der Denkmalpflegeplan bildet somit einen wesentlichen baukulturellen Fachbeitrag zu den vorgenannten Planungen. Da diese jetzt in Angriff genommen werden, wurde auch mit der Erstellung des Denkmalpflegeplans kurzfristig begonnen, damit die Ergebnisse unmittelbar einfließen können oder zumindest als Abwägungsmaterial mit herangezogen werden können.

Im Rahmen der Erarbeitung des Denkmalpflegeplans wird das gesamte Stadtgebiet im Hinblick auf denkmalwürdige Gebäude systematisch begangen. Eine derart umfassende Begehung des gesamten Stadtgebietes hat es bisher nur bei der ersten Aufstellung der Denkmalliste in den 80er Jahren gegeben. Seit diesem Zeitpunkt gibt es fortlaufend Ergänzungen der Denkmalliste, aber kein systematisches Erfassen bezogen auf das Stadtgebiet.

Diese Aussage betrifft auch die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen an bestehenden Baudenkmälern. Durch eine Vorschlagsliste für weitere denkmalwerte Gebäude sowie einer umfassenden Erfassung notwendiger Sanierungsmaßnahmen an bestehenden Baudenkmälern wird der Unteren Denkmalbehörde zukünftig ermöglicht, diese wichtigen Themen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege systematisch und priorisiert zu bearbeiten.

Die Ergebnisse des Denkmalpflegeplans sollen auch im städtischen Geoportal hinterlegt werden. Damit sind die Daten für alle, die einen Zugang haben, kurzfristig verfügbar. Dies unterstützt vor allem die Arbeit der Bauaufsicht, der Stadtplanung und der Denkmalbehörde.

Für die Aufstellung eines Denkmalpflegeplans gibt es kein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren. Mit der Bearbeitung, die einen Zeitraum von ca. 3 Jahren beansprucht, wurde das Architekturbüro Vogt-Werling, ein externes, aber ortsansässiges und mit der Aufstellung von Denkmalpflegeplänen vertrautes Büro, beauftragt. Innerhalb der Verwaltung begleitet eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den Fachaufgaben Untere Denkmalbehörde, Stadtplanung, Stadtarchiv, Geoservice und weiteren Betroffenen den Prozess. Zur Arbeitsgruppe gehört auch eine Vertreterin des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege. Vieles erbringt die Verwaltung in Eigenleistung, z.B. die Projektleitung und -koordination, Begehung und Erfassung der Baudenkmäler, Schilderung der Geschichte der Region oder die Digitalisierung des historischen Kartenmaterials.

Die Öffentlichkeit wird angemessen beteiligt unter besonderer Berücksichtigung der örtlichen Heimat-und Geschichtsvereine. Es gibt die Möglichkeit zur Mitarbeit sowie zu Diskussionen bei örtlichen Begehungen. Die Termine zu diesen Exkursionen werden frühzeitig mitgeteilt.

Für drei städtische Bereiche werden Teilpläne aufgestellt (Bensberg / Gladbach / östl. Stadtteile und nördl. Stadtteile), begonnen wurde in Bensberg und Refrath. Die Erkenntnisse aus dem Denkmalpflegeplan konnten so unmittelbar in das dort ebenfalls geplante Integrierte Handlungskonzept übernommen werden.

Die Stadt Bergisch Gladbach befindet sich bekanntermaßen im Haushaltssicherungskonzept und ist bezüglich ihrer freiwilligen Leistungen stark eingeschränkt. Daher ist sie ausschließlich unter Inanspruchnahme von Fördergeldern in der Lage, einen Denkmalpflegeplan zu finanzieren. Diese wurden vom Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW zugewiesen. Begründung: Durch den in Bergisch Gladbach beschriebenen Prozess können das hohe Potential eines Denkmalpflegeplans und seine positiven Auswirkungen auf Stadtplanung und Stadtentwicklung exemplarisch nachgewiesen werden.