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Starkregen - Was heißt das eigentlich?

Als Starkregen werden Regenereignisse bezeichnet, bei denen innerhalb kurzer Zeit eine sehr hohe Menge an Niederschlag fällt. Ein Starkregen kann in unterschiedlicher Intensität auftreten. Derzeit gibt es mehrere Definitionen bzw. Klassifikationen von Starkregen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterscheidet bei Starkregen drei Warnstufen:

  • Starkregen: 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden
  • Heftiger Starkregen: 5-40 l/m² in 1 Stunde oder 35-60 l/m² in 6 Stunden
  • Extrem heftiger Starkregen: > 40 l/m² in 1 Stunde oder > 60 l/m² in 6 Stunden

Eine sehr gebräuchliche Klassifikation von Starkregenereignissen ist die Einteilung nach Wiederkehrzeiten. Ein 100jährlicher Regen wäre daher ein Starkregenereignis mit einer Wiederkehrzeit von 100 Jahren. Dies ist aber ein Wert, der sich auf statistische Berechnungen auf der Basis von vergangenen Zeiträumen bezieht (der DWD bezieht sich bei seinen Berechnungen der Jährlichkeiten auf einen Zeitraum von 1951–2010). Daher kann es auch sein, dass in einem Jahr mehrmals ein 100jährlicher Regen auftritt. Da dies für Laien nur schwer nachzuvollziehen ist, und die Wetterextreme in den letzten Jahren zugenommen haben, gibt es seit kurzem die Unterteilung nach dem Starkregenindex. Bei diesem Index werden Starkregen je nach Intensität auf einer Skala von 1-12 eingeteilt. 

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Was passiert wann bei Starkregen - Eine Erläuterung anhand des Starkregenindex

Wie entsteht Starkregen?

Starkregen entsteht vor allem im Sommer. Hier ist die Temperatur generell höher, sodass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dadurch entstehen sogenannte konvektive Wolken, die lokal auftreten und sich rasch entladen, dabei häufig im Zusammenhang mit Gewitter und/oder Hagel. Besonders gefährlich wird es, wenn sich diese Wolken kaum oder gar nicht von der Stelle bewegen und somit für längere Zeit zu örtlich sehr begrenzten starken Niederschlägen führen.

Wie unterscheidet sich Überflutung durch Starkregen von Hochwasser?

Kurze Starkregen mit der Dauer von wenigen Stunden treten als Konvektivniederschläge mit begrenzter räumlicher Ausdehnung auf. Die Regenintensitäten von solchen Starkregen können selbst im Stadtgebiet von Bergisch Gladbach stark variieren. Als Folge können lokale Überflutungen entstehen.

Im Gegensatz dazu erstrecken sich langanhaltende Regen überwiegend als advektive Niederschläge über größere Räume. Sie können je nach Intensität Hochwasserabflüsse an Flüssen hervorrufen.

Auch wenn Sie nicht in unmittelbarer Nähe von einem Fließgewässer wohnen können sie also doch durch eine Überflutung in Folge von Starkregen betroffen sein.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel dabei?

Starkniederschläge oder auch Dürren sind Extremwetterereignisse, die als Folge des Klimawandels verstärkt oder häufiger auftreten können. Ein Grund hierfür ist beispielsweise, dass durch die steigenden Temperaturen die Verdunstung verstärkt wird, was wiederum eine Veränderung des Wasserkreislaufs und der Niederschlagsverhältnisse bewirkt. Aktuelle Studien des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) belegen eine signifikante Zunahme von Starkniederschlagsereignissen in NRW (LANUV, Klimabericht NRW, 2021). 
Dennoch ist nicht jeder Starkniederschlag auf den Klimawandel zurückzuführen, denn Extremereignisse sind auch Bestandteil der natürlichen Klimavariabilität.

Hier finden Sie weiterführende Informationen des LANUV:

Das Starkregenereignis vom 14.07.2021

Die Stadt Bergisch Gladbach unterhält vier Niederschlagsmessgeräte. Diese sind an unterschiedlichen Orten aufgestellt und damit repräsentativ für das Niederschlagsverhalten im Stadtgebiet. Am 14.07.2021 wurden an diesen Stationen zwischen 100 und 120 l/m² Niederschlag gemessen, was in etwa einem Siebtel der mittleren Jahresniederschläge entspricht. Das Regenereignis begann in den frühen Morgenstunden gegen 04:00 Uhr und endete gegen 20:00 Uhr. Aufgrund des Tiefdruckgebietes „Bernd“ zog der Regen nur sehr langsam über das Stadtgebiet, was zu langanhaltendem Starkregen führte. Eine Situation die so nur sehr selten auftritt.

Was sind die Folgen von Starkregen?

Welche Rolle spielt die Kanalisation bei Starkregenereignissen?

Häufig hört man nach Starkregenereignissen den Ausspruch „die Kanalisation ist viel zu klein“. Das ist vom Einzelfall abhängig. Generell lässt sich jedoch sagen, je intensiver das Ereignis ist, desto weniger spielt die Kanalisation eine Rolle beim Ableiten der Niederschläge. Der Grund: Es fällt einfach zu viel Wasser in zu kurzer Zeit, sodass Regenfallrohre, Gullys oder ähnliche Aufnahmestellen, das Wasser gar nicht so schnell in die Kanalisation leiten können. Dadurch fließt das Wasser über diese Stellen hinweg auf der Oberfläche entlang und führt zu Schäden.

Das heißt aber nicht, dass die Kanalisation bei Starkregen kein Wasser führt. Im Gegenteil, je länger ein Ereignis dauert, desto mehr Wasser kommt auch in der Kanalisation an und führt auch hier zu Überlastungen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Kanalisation zu klein ist. Nach den Regeln der Technik müssen Niederschläge bis zu einem Ereignis, dass statistisch 1mal in 5 Jahren auftritt, von der Kanalisation aufgenommen werden. Dies entspricht etwa der Stufe 1-2 im Index. Bei Ereignissen, die häufiger auftreten, kann das Wasser sogar aus dem Kanal austreten.

In vielen Fällen ist es nicht sinnvoll die Kanalisation zu vergrößern. Zum einen müssten extrem große Profile gebaut und betrieben werden, wodurch die Kosten um ein Vielfaches steigen würden. Die Kanalisation wäre dann mit U-Bahnröhren zu vergleichen. Zum anderen wäre der Abfluss während des „Normalbetriebs“ so gering, dass es ständig zu Ablagerungen kommen würde. Zudem müssten mehr oder größere Aufnahmestellen installiert werden. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wären also mit sehr hohen Kosten verbunden und würden sich auch negativ auf den Fahrkomfort auswirken.

Daher ist die Überflutungsvorsorge nicht alleine die Aufgabe des Entwässerungssystems, es ist vielmehr eine gemeinschaftliche Aufgabe bei der die Stadt und die Bürger Hand in Hand zusammenarbeiten müssen. 

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Überflutung und Vorsorge bei Starkregen - Eine Erläuterung mithilfe des Starkregenindex