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Starkregen - Was heißt das eigentlich?

Als Starkregen wird eine große Menge Niederschlag in sehr kurzer Zeit bezeichnet.

Der Deutsche Wetterdienst unterteilt zwei Stufen:
1. Als Markante Wetterlage wird definiert, wenn entweder mehr als 10 l/m² in einer Stunde fallen oder mehr als 20 l/m² in sechs Stunden
2. Als Unwetter wird definiert, wenn entweder mehr als 25 l/m² in einer Stunde fallen oder mehr als 35 l/m² in sechs Stunden

In der Wasserwirtschaft wurden Starkregenereignisse bis vor Kurzem noch nach statistischen Werten in Jährlichkeiten definiert. Infolge des Klimawandels sind diese statistischen Werte vergangener Ereignisse jedoch nicht mehr korrekt wertbar – so kann es passieren, dass ein 100 jährliches Ereignis mehr als 1-mal in 100 Jahren stattfinden kann. Da dies allerdings bei „nicht-Mathematikern“ zu Irritationen führt und ein falsches Gefühl der „Sicherheit“ vermittelt, wurde der sogenannte Starkregenindex eingeführt. Dieser Index funktioniert ähnlich wie bei Wind oder Erdbeben auf einer Skala von 1 - 12. Die Stadt Bergisch Gladbach führt diesen Index nun sukzessive ein. Zur Veranschaulichung dienen die folgenden Grafiken:

Wie entsteht Starkregen?

Starkregen entsteht vor allem im Sommer. Hier ist die Temperatur generell höher, sodass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dadurch entstehen sogenannte konvektive Wolken, die lokal auftreten und sich rasch entladen, dabei häufig im Zusammenhang mit Gewitter und / oder Hagel. Besonders gefährlich wird es, wenn sich diese Wolken kaum oder gar nicht von der Stelle bewegen und somit für längere Zeit zu örtlich sehr begrenzten starken Niederschlägen führen.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel dabei?

Durch die globale Erwärmung werden die Temperaturen steigen. Durch die Tatsache, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, ist davon auszugehen, dass Starkregen häufiger auftreten werden.

Welche Rolle spielt die Kanalisation bei Starkregenereignissen?

Häufig hört man nach Starkregenereignissen den Ausspruch „die Kanalisation ist viel zu klein“. Das ist vom Einzelfall abhängig. Generell lässt sich jedoch sagen, je intensiver das Ereignis ist, desto weniger spielt die Kanalisation eine Rolle beim Ableiten der Niederschläge. Eine viel größere Rolle spielt die Oberfläche bei Starkregenereignissen. Der Grund: es fällt einfach zu viel Wasser in zu kurzer Zeit, sodass Regenfallrohre, Gullys oder ähnliche Aufnahmestellen, das Wasser gar nicht so schnell in die Kanalisation leiten können. Dadurch fließt das Wasser über diese Stellen hinweg auf der Oberfläche entlang und führt zu Schäden.

Das heißt aber nicht, dass die Kanalisation bei Starkregen kein Wasser führt. Im Gegenteil, je länger ein Ereignis dauert, desto mehr Wasser kommt auch in der Kanalisation an und führt auch hier zu Überlastungen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Kanalisation zu klein ist. Nach den Regeln der Technik müssen Niederschläge bis zu einem Ereignis, dass statistisch 1mal in 5 Jahren auftritt, von der Kanalisation aufgenommen werden. Dies entspricht etwa der Stufe 1-2 im Index. Bei Ereignissen, die häufiger auftreten, kann das Wasser sogar aus dem Kanal austreten.

Das bedeutet, dass es in vielen Fällen nicht sinnvoll ist, die Kanalisation zu vergrößern. Zum einen müssten extrem große Profile gebaut und betrieben werden, wodurch die Kosten um ein Vielfaches steigen würden. Die Kanalisation wäre dann mit U-Bahnröhren zu vergleichen. Zum anderen wäre der Abfluss während des „Normalbetriebs“ so gering, dass es ständig zu Ablagerungen kommen würde, wodurch die Kosten für den Betrieb des Kanalnetzes steigen würden. Zudem müssten mehr oder größere Aufnahmestellen installiert werden. Dies würde auch höhere Kosten, weniger Fahrkomfort auf den Straßen und höhere Kosten für private Bauherren mit sich bringen.

Dies alles sind Gründe warum an anderer Stelle vorgesorgt werden muss. Beispielsweise mit Entsiegelung von Flächen, Begrünung von Dächern oder Fassaden (auch ein positiver Effekt fürs Mikroklima der Stadt), Multifunktionalen Plätzen, Schaffung von Oberirdischen Wasserwegen oder Senken, an denen das Wasser erstmal schadlos stehen kann.