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Januar 2020: Bergisch Gladbach bleibt bis Januar 2022 FairTrade-Stadt

Titel Fairtrade

Warum unterstützt die Stadt Bergisch Gladbach den Fairen Handel?

Die Stärkung des fairen Handels ist die effizienteste Art der Entwicklungsförderung! - Das ist ein starkes Argument des Rates, der Verwaltung und der Bürgerschaft für Fairtrade.

Mit der Unterzeichnung der Resolution zur Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit am 12. Juni 2010 hat sich die Stadt Bergisch Gladbach dazu verpflichtet, aktiv an der Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit mitzuwirken und den fairen Handel zu unterstützen.

In Schulen, Vereinen, Verbände oder im privaten Alltag folgen immer mehr Menschen der Empfehlung, saisonale, regionale oder fair gehandelte Produkte zu erwerben - Produkte, deren Herstellungsprozess sie kennen oder dem sie vertrauen. Dabei helfen zahlreiche Verbraucherinformationen, z.B. die Siegel des fairen Handels.

Viele kleine Schritte werden die Welt verändern!

Was bedeutet der Titel "Fairtrade-Stadt"?

Die weltweite Kampagne „Fairtrade-Towns“ wurde 2000 in England ins Leben gerufen. Seither wurden knapp 1000 Städte als „Fairtrade-Town“ ausgezeichnet, darunter San Francisco, Rom, London und Brüssel. 2009 ist die Kampagne auch in Deutschland angekommen. Hier läuft der Wettbewerb unter dem Namen „Fairtrade-Stadt“.

Als erste „Fairtrade-Stadt“ Deutschlands wurde 2009 Saarbrücken ausgezeichnet. Seither folgen Monat für Monat bundesweit mehr Städte, Kreise und Gemeinden. Inzwischen tragen knapp 40 deutsche Städte den Titel „Fairtrade-Stadt“, darunter: Augsburg, Bonn, Dortmund, Frankfurt a.M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Neuss, Nürnberg, Trier, Tübingen, Wolfsburg, Wuppertal - und Bergisch Gladbach!

Der Kölner Verein TransFair e.V. verleiht und überprüft die Auszeichnung "Fairtrade-Stadt".

Welche Kriterien musste Bergisch Gladbach für den Titel "Fairtrade-Stadt" erfüllen?

Um den Titel „Fairtrade-Stadt“ zu erhalten, müssen fünf Kriterien erfüllt werden:

  • Bildungsaktivitäten in Schulen, Vereinen, Kirchen - alle sind gefragt
    In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen werden Fairtrade-Produkte angeboten und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt.
    Bei einer Einwohnerzahl unter 200.000 muss jeweils eine Schule, ein Verein und eine Kirche gewonnen werden, die mindestens einmal im Jahr eine attraktive Aktion durchführen.
  • Medien als Multiplikator
    Die örtlichen Medien berichten über die Aktivitäten auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“. In mindestens vier Artikeln pro Jahr sollten Projekte begleitet werden, damit der Fairtrade-Gedanke in der Öffentlichkeit Fuß fasst.

Neujahrsempfang 2012: Bergisch Gladbach wird Fairtrade-Stadt

Bergisch Gladbach ist seit 2012 offiziell „Fairtrade-Stadt“.
Vor rund 300 geladenen Gästen nahm Lutz Urbach, damaliger Bürgermeister, auf dem Neujahrsempfang die Urkunden entgegen. Überreicht wurde sie durch Dieter Overath, Direktor und Gründer vom Verein TransFair.

Lutz Urbach betonte in seiner Rede, dass der weltweite Handel nur über die Verbraucher nachhaltig verändert werden könne. Er verdeutlichte dieses am Beispiel einer Haselnuss. Haselnüsse würden teilweise von Kindern geerntet. Ohne diese Arbeit kämen die Familien der Kinder nicht "über die Runden". Der Plantagenbesitzer sei ebenfalls auf die günstigen Arbeitskräfte angewiesen, da er sonst nicht den niedrigen Preis bieten könne, den sein Abnehmer verlange. Werde er teurer, suche dieser sich eben einen anderen Lieferanten.

Urbach sprach von einer „Spirale der Ausbeutung", die es zu durchbrechen gelte. Dies könne nur über Initiativen wie Fairtrade geschehen, die einen umfassenden Ansatz mit Bildung vor Ort, Selbstorganisation in den Erzeugerländern und strenger Kontrolle der selbst gesetzten Standards garantieren.

Die Rolle der Stadt

Die Stadt Bergisch Gladbach musste sich im Rahmen des Zertifizierungs-prozesses bestimmten Kriterien unterwerfen, um das Siegel „Fairtrade-Stadt" zu erhalten. Im Bürgermeisterbüro und denen des Verwaltungsvorstandes werden Kaffee, Saft und weitere Produkte aus fairem Handel verwendet. Geschäfte und Gastronomiebetriebe in Bergisch Gladbach hatten sich entschieden, fair gehandelte Waren anzubieten.

Die Welt verändern...

Zum Abschluss seiner Rede zitierte Urbach ein afrikanisches Sprichwort: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Welt verändern." Diesen Gedanken führte Dieter Overath vom Verein TransFair aus. Er stellte in seiner Rede klar, dass fair gehandelte Produkte längst kein Nischenmarkt mehr seien: In Großbritannien macht der Umsatz mit fair gehandelten Waren rund 1,5 Milliarden Euro aus. Rund 600 Kommunen haben sich als „Fairtrade-Town" auszeichnen lassen. In Deutschland gibt es bislang rund 70 derartige Kommunen. Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten lag in 2011 in Deutschland bei rund 400 Millionen Euro - Tendenz stark steigend. Overath hielt fest, dass sogar Discounter wie Lidl oder Aldi-Süd fair gehandelte Produkte im Angebot hätten. Blumen bei Rewe seien längst standardmäßig aus fairem Handel. Dann übergab er die offizielle Urkunde an Lutz Urbach.

Resolution gegen ausbeuterische Kinderarbeit - die Erklärung im Wortlaut vom 12. Juni 2010

Die Stadt Bergisch Gladbach achtet und bewahrt die Rechte des Kindes und fühlt sich dem Schutz der Kinder weltweit verpflichtet. Sie fühlt sich als Kommune dazu aufgerufen, der globalen Verantwortung gerecht zu werden.

Weltweit müssen derzeit ca. 250 Mio. Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Die Internationale Staatengemeinschaft hat sich in der Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dazu verpflichtet, alle Formen ausbeuterischer Kinderarbeit zu beenden und jegliche Arbeit bis zum 18. Lebensjahr, die die Gesundheit, die Sicherheit und die moralische Entwicklung von Kindern gefährdet, zu verbieten.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben mit ihrer Unterschrift unter dieser Konvention ihren Willen zur Beseitigung ausbeuterischer Kinderarbeit bekräftigt.

Die Stadt Bergisch Gladbach unterstützt diese Verpflichtung, stellt sich gegen jegliche Form der Ausbeutung von Kindern und erklärt den festen Willen, für Kinderrechte einzutreten.

Um die Situation der arbeitenden Kinder zu verbessern, strebt die Stadt Bergisch Gladbach ein Ende der ausbeuterischen Kinderarbeit an, ebenso wie die Stärkung des Fairen Handels, denn nur dieser bietet echte Alternativen zur Ausbeutung von Kindern.

Die Stadt Bergisch Gladbach verpflichtet sich, ihre Vergabepraxis im Rahmen der rechtlich gezogenen Grenzen so zu gestalten, dass Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit gemieden werden. Damit will die Stadt Bergisch Gladbach ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Kindern setzen und einen Beitrag zur Umsetzung der ILO-Konvention 182 leisten.

Durch gezielte Information sollen die Bürgerinnen und Bürger in Bergisch Gladbach für das Thema sensibilisiert und zu eigenen Maßnahmen gegen ausbeuteriche Kinderarbeit motiviert werden.

Bergisch Gladbach, den 12. Juni 2010


Lutz Urbach
Bürgermeister