Gesucht werden 9.000 „Erkundungsplätze“ in Unternehmen
Nach dem erfolgreichen Start in Overath wird die Berufsfeld-Erkundung 2015 kreisweit angeboten. Firmen können ab sofort freie Plätze in eine Datenbank eintragen.
Eine positive Bilanz ziehen alle Beteiligten der ersten Berufsfeld-Erkundung, die im Mai in der Pilotregion Overath stattgefunden hat. Insgesamt haben 290 Schüler der achten Klassen aller weiterführenden Schulen teilgenommen. Auf der anderen Seite haben 126 Betriebe 345 „Erkundungsplätze" in 71 verschiedenen Berufen zur Verfügung gestellt. „Über diese Resonanz haben wir uns sehr gefreut", sagt Sophia Tiemann, Leiterin des in der Kreisverwaltung angesiedelten Koordinierungsbüros „Übergang Schule - Beruf". „Das lässt uns hoffen, dass es im kommenden Jahr gelingen wird, für die kreisweite Umsetzung insgesamt 9.000 Plätze an drei Tagen in Unternehmen zur Verfügung zu stellen."
Um das Prozedere für alle Beteiligten möglichst einfach und übersichtlich zu halten, wurde ein Online-Portal entwickelt: Unter www.berufsfelder-erkunden.de können Unternehmen melden, wie viele „Erkundungsplätze" in welchen Berufsfeldern sie an den drei Terminen (28. Januar 2015, 23. April 2015 und 22. Juni 2015) zur Verfügung stellen möchten. Dabei kann außerdem angegeben werden, welcher Schulabschluss erwartet wird. Die Schüler können anschließend im Portal ihre Plätze buchen. „So haben die Unternehmen wenig Arbeit mit der Auswahl", sagt Tiemann: „Und wir verhindern, dass durch Koordinierungspannen plötzlich mehr Schüler beim Unternehmen auf der Matte stehen, als es Plätze gibt."
Tiemann ruft explizit auch Firmen, die unbekanntere Berufe anbieten können, auf, sich zu beteiligen. Ein spezielles System soll dafür sorgen, dass die Schüler nicht nur Berufe auswählen, die in der Gunst der Jugendlichen traditionell ganz weit oben stehen. „Viele Stellen werden nicht besetzt, weil Jugendliche nicht wissen, dass es den Beruf überhaupt gibt", sagt Tiemann. So werden die rund 75 in der Datenbank hinterlegten Berufsbilder in drei Kategorien eingeteilt. Die Schüler, die an allen drei Tagen auf „Erkundungstour" gehen werden, müssen aus jeder Kategorie einen Beruf wählen. Es geht also nicht, dass ein Realschüler für die drei Tage die beliebten ,Klassiker‘ Kaufmann im Einzelhandel, Bürokaufmann und Kfz-Mechatroniker auswählt. Stattdessen wird er auch auf Berufe wie Fachangestellter für Bäderbetriebe, Systemelektroniker oder den Glasveredler stoßen. „Bei einem Tag trauen sich die Schüler eher, ungewöhnliche Berufe auszuwählen", sagt Tiemann. Das habe sich beim Pilotprojekt in Overath gezeigt. „Und erfreulicherweise waren einige dann so begeistert, dass sie direkt ein Praktikum vereinbart haben."
Weil nicht nur Schüler unsicher sind, sondern vielleicht auch Unternehmer - in der Frage, wie sie Achtklässler einen Tag lang an den Beruf heranführen können -, gibt es im Online-Portal auch zahlreiche Tipps. So kann neben einer Broschüre und den rechtlichen Bestimmungen auch ein möglicher Ablaufplan heruntergeladen werden. „Der Ablauf soll sich an den Möglichkeiten des Unternehmens orientieren", sagt Tiemann. Und so gibt es auch keine minutiösen Vorgaben und seitenlangen Regeln, sondern lediglich einige Eckpunkte. Einer davon lautet: Die Schüler sollen nicht nur Zuschauer sein, sondern die jeweilige Tätigkeit aktiv erkunden. „Der Aufwand war überschaubar. Und wir haben gerne mitgemacht", sagt Susanne Halbe-Bruder, bei der DIENES Werke für Maschinenteile GmbH & Co. KG in Overath, zuständig für das Personal. „Es ist bereits entschieden, dass wir auch im nächsten Jahr wieder Plätze anbieten werden." Die zwei Schüler, die im Mai im Unternehmen waren (Industriekaufmann und Produktdesigner), seien „sehr interessiert" und begeistert von dem Tag gewesen. „Wir müssen, auch angesichts der demografischen Entwicklung, schauen, wie wir in Zukunft Auszubildende und qualifizierte Mitarbeiter finden", sagt Halbe-Bruder.
Auch Elektrikermeister Thomas Lutz, Geschäftsführer der LUTZ Technik für moderne Lebensräume GmbH, hofft, dass beide Seiten von der Berufsfeld-Erkundung profitieren: „Wir geben unser Bestes, den Schülern einen realistischen und zugleich abwechslungsreichen Einblick in den Beruf zu geben. Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich, dass die Jugendlichen von der interessanten Materie so angepiekst werden, dass sie sich für ein Praktikum und später um einen Ausbildungsplatz bei uns bewerben." Denn: Arbeit ist mehr als genug da. „Wir haben eine Filiale in Bergisch Gladbach eröffnet und schaffen das Pensum kaum." Außerdem, so Lutz, müssen ständig neue Technologien abgedeckt werden. „Dafür brauchen wir junge Leute." Die ASS Maschinenbau GmbH zieht ebenfalls ein „positives Gesamtfazit" des Tages und ist auch im kommenden Jahr wieder mit dabei. „Wir können ja nicht nur über den Fachkräftemangel reden, sondern müssen etwas dagegen tun", heißt es seitens des Herstellers von Greiferteilen, Roboterhänden und Automationsanlagen.
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