Trotz des regnerischen Wetters fanden am Sonntag, den 13. September 2026, über den Tag verteilt rund 400 Besucherinnen und Besucher den Weg zum historischen Kraftwerk auf dem Zanders-Areal. Beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals konnten sie einen Gebäudekomplex kennenlernen, der die industrielle Vergangenheit des Standorts lebhaft vor Augen führte. Rundgänge, Vorträge und eine Ausstellung eröffneten dabei unterschiedliche Perspektiven auf die ehemalige Energiezentrale und ihre mögliche Rolle bei der weiteren Entwicklung des Areals.
Eröffnet wurde der Tag von Bürgermeister Marcel Kreutz. Er betonte die besondere Bedeutung des industriellen Erbes für die Transformation des Zanders-Areals: „Wir planen hier nicht auf einem leeren Blatt Papier. Die historischen Gebäude, die Industriegeschichte und die besondere Identität dieses Ortes sind ein wichtiger Ausgangspunkt für seine weitere Entwicklung. Unser Ziel ist es, Bewahren und Weiterentwickeln miteinander zu verbinden und aus einem ehemaligen Industriestandort schrittweise einen neuen, vielfältigen Teil unserer Stadt entstehen zu lassen.“
Industriegeschichte aus erster Hand
Besonders gefragt waren die Rundgänge durch das Kesselhaus und die Turbinenhalle. Der ehemalige Zandrianer Wolfgang Schmidt führte die Besucherinnen und Besucher durch das historische Kraftwerk, in dem er selbst viele Jahre gearbeitet hatte. Dabei vermittelte er Wissen über die technischen Anlagen und Arbeitsabläufe und berichtete aus eigener Erfahrung vom früheren Betrieb. Die Dimensionen des Kesselhauses und die weitgehend erhaltene technische Ausstattung der Turbinenhalle vermittelten einen unmittelbaren Eindruck von der einstigen Energieversorgung der Papierproduktion.
Viele Perspektiven auf die Zukunft des Kraftwerks
Die Ausstellung beleuchtete die Geschichte und frühere Funktion des Kraftwerks und gab zugleich Einblicke in die aktuellen Planungen zur künftigen Energie- und Medienversorgung des neuen Stadtquartiers.
Einen weiteren Blick nach vorne eröffneten verschiedene Modellstudien von Studierenden der TH Köln zur möglichen zukünftigen Nutzung des Kraftwerks, die anhand von Plänen und Modellen präsentiert wurden. Zwei Studien des Kölner Architekturbüros huber+, die sich insbesondere mit den markanten Schornsteinen und deren Einbindung in eine mögliche zukünftige Nutzung auseinandersetzen, konnten die Besucherinnen und Besucher darüber hinaus mithilfe einer VR-Brille virtuell erkunden. An einer Ideenwand waren schließlich auch die Gäste selbst gefragt und konnten eigene Vorstellungen und Anregungen für die künftige Nutzung des Kraftwerks festhalten.
Udo Krause, stellvertretender Geschäftsführer der Zanders-Entwicklungsgesellschaft mbH, sieht in der Auseinandersetzung mit dem Bestand eine zentrale Aufgabe der weiteren Entwicklung: „Die Geschichte und die vorhandenen Gebäude geben dem Zanders-Areal seine besondere Identität. Die Aufgabe besteht darin, diesen Bestand nicht isoliert zu betrachten, sondern ihn sinnvoll in die Entwicklung des neuen Stadtquartiers einzubeziehen. Das Kraftwerk zeigt sehr anschaulich, welche Fragen und Möglichkeiten damit verbunden sind.“
Erinnerungskultur auf dem Zanders-Areal
Einen weiteren Blick auf das industrielle Erbe eröffneten die beiden Vorträge von Prof. Dr. Daniel Lohmann von der TH Köln. Im Mittelpunkt stand dabei neben der prägnanten Architektur des von Dominikus Böhm entworfenen Kraftwerks die Frage, wie sich die Erinnerungen der Menschen bewahren lassen, die Zanders und das Areal über Jahrzehnte erlebt und mitgeprägt haben.
Passend dazu suchte das Forschungsteam der TH Köln vor Ort das Gespräch mit ehemaligen Zandrianerinnen und Zandrianern sowie weiteren Bürgerinnen und Bürgern. Persönliche Geschichten, Erfahrungen und Erinnerungen sollen dazu beitragen, neben den Gebäuden und technischen Anlagen auch diesen Teil der Zanders-Geschichte für kommende Generationen festzuhalten.
Der Tag des offenen Denkmals machte deutlich, dass der Blick auf das industrielle Erbe des Zanders-Areals immer auch ein Blick nach vorne ist. Die Geschichte und der besondere Charakter des Ortes bilden im Rahmen der Transformation zu einem neuen Stadtquartier den Ausgangspunkt für seine Weiterentwicklung. Welche Rolle das Kraftwerk dabei künftig übernehmen wird, ist noch offen. Die Auseinandersetzung mit seiner Zukunft wird die weitere Entwicklung des Zanders-Areals aber begleiten.