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So werden Kinder mit Fluchthintergrund auf die Schule vorbereitet

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In den Sommerferien bleiben die Schulen in Bergisch Gladbach geschlossen – bestenfalls fällt eine Heerschar Bauarbeiter ein und flickt, was es zu reparieren gilt. Alle Schulen? Nein, die Grundschule in Moitzfeld öffnet ihre Räume für Kinder und Jugendliche, die sich auf das kommende Schuljahr vorbereiten.

Mit Unterstützung von ehrenamtlichen Pädagoginnen werden hier Kinder mit Fluchthintergrund in Deutsch unterrichtet – und das auf eine etwas andere Art und Weise.

Im ersten Stock sitzen sechs Kinder, die nach den Sommerferien in die weiterführenden Schulen wechseln sollen, und pauken Deutsch. Unterrichtet werden sie an diesem heißen Donnerstagvormittag von Sabine Mohr, einst Lehrerin am Berufskolleg in Troisdorf. Dass sie jetzt Deutsch auf Grundschulniveau vermittelt, ist für sie eine Herausforderung – die sie aber mit viel Freude meistert. „Eine große Hilfe ist Yousuf, der schon seit einem Jahr in Deutschland lebt und für die Schüler übersetzt, die noch nicht so lange hier sind.“ Und so bittet sie ihn, dem zwölfjährigen Omar zu erklären, dass im Deutschen alle Dinge am Anfang mit einem großen Buchstaben geschrieben werden. Omar versteht, wischt das kleine p an der Tafel weg und schreibt das Wort noch einmal auf „Papier“.

Es sind die scheinbar kleinen Dinge, die den Teilnehmern oft schwer fallen. Hat die Lehrerin jetzt E oder I gesagt – wie wird das SCH ausgesprochen und wann ist es denn jetzt nun ein Z oder ein C? Wer meint, das sei doch leicht zu begreifen, sollte sich einmal an der Aussprache im Arabischen versuchen – da sind die Zungenbrecher erst recht vorprogrammiert!

Dank der Geduld von Sabine Mohr fühlt sich keines der angehenden Teenager unter Druck gesetzt. Und so schafft es dann Khevia, die neunjährige Schwester von Omar, nach einigen Versuchen das Wort „Schulbuch“ fehlerfrei an die Tafel zu bringen. Und als die Lehrerin dann auch noch das Wort „Zeichnen“ buchstabiert, weiß Karar (12): „Da kann ich doch auch Malen sagen, das ist doch dasselbe.“

Was für die einen noch weitergeht, ist für die Jüngsten schon wieder beendet. Im Rahmen des Programmes „Fit für die Schule – FiSch“, das vor acht Jahren durch das soziale Netzwerk Bergisch Gladbach ins Leben gerufen worden ist, haben in den Räumen der MiKibU-Klassen drei sechsjährige Mädchen ihre letzte von 15 Einheiten, die sie auf das Leben in der Grundschule vorbereiten sollen. „Dieses Programm ist speziell für Kindergartenkinder entwickelt worden, um ihnen den Schritt in die Grundschule zu vereinfachen. In dieser freiwilligen Förderung wird sowohl das Selbstwertgefühl als auch die sprachliche Kompetenz der Kinder gefördert.“, erklärt Diplom-Sozialpädagogin Dorlit Rabe-Hamann, die die Mädchen seit Mai begleitet hat.

In diesem ausgeklügeltem Programm gibt es nicht nur Unterricht, auch kreativ-künstlerische Fähigkeiten werden hier vermittelt. So zeigt Fatima stolz ihren Scherenführerschein, den sie erlangt hat, nachdem sie freihändiges Ausschneiden gelernt hat. Die Abschlussmappen, die die Kleinen mit nach Hause nehmen, können sich sehen lassen. Voll mit Bildern, Alphabet- und Zählübungen und auch einem selbstgestaltetem Frühstückset. „Ein ganz ausgeklügeltes pädagogisches System“, fasst das Vorstandsmitglied des Integrationsrates, Mechtild Münzer, hochzufrieden zusammen, bevor sie herzlich von der sechsjährigen Alya begrüßt wird. Vorwitzig schiebt ihr Fatima einen frisch ausgefüllten Zahlenzettel unter die Nase und zählt bis acht. Wer nicht weiß, dass Fatima erst seit einem Jahr Deutsch lernt, würde denken, dass sie in Deutschland aufgewachsen ist.

Die Kinder genießen die Anwesenheit der Frau, die nicht umsonst Trägerin der goldenen Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach ist. „Ohne den Schulleiter, Gunnar Treitschke, wäre dieses Angebot hier in Moitzfeld nicht möglich gewesen. Dankenswerter Weise stellt er seine Schule für die ehrenamtliche Arbeit zur Verfügung. Das lief alles ganz unkompliziert ab“, erzählt Mechtild Münzer noch zwischen Tür und Angel, bevor sie zum nächsten Termin fährt, um Kinder aus einem Feriendorf abzuholen.

Jetzt sind erst einmal 15 Minuten Pause und Herumtollen auf dem Schulhof angesagt, bevor es kreativ weitergeht: In der Schulbücherei wartet Musiklehrerin Uta Vossebrecker.
„Damals, als Hilfe benötigt wurde, entschied ich das anzubieten, was ich kann. Und das ist eben die Musik“, erklärt sie ganz pragmatisch ihren Einsatz in der Flüchtlingsarbeit, der 2016 begonnen hatte. „Warum sollte ich Deutsch unterrichten, wenn ich Musik viel besser kann?“ Und so wird um Stuhlkreis über den Sommer gesungen und dabei mit Holzstäben im Takt geklopft. Und sie unterrichtet nicht nur die Jüngsten. „Dank einer Spende konnten wir zusätzliche Gitarren, Trommeln und Blockflöten anschaffen. Die Musikschule leiht uns auch Instrumente – besonders beliebt sind übrigens die Gitarren“, beschreibt sie die Vorlieben der etwas älteren Teilnehmer. Hat ja auch was, wenn man ein so großes Instrument beherrschen kann.