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Ungewöhnliche Plakataktion „Sprich mit mir“ – Netzwerk Frühe Hilfen will Bewusstsein für steigenden Einfluss der sozialen Medien und Smartphones auf die Kommunikation und Erziehung schaffen

Ungewöhnliche Plakataktion „Sprich mit mir“ – Netzwerk Frühe Hilfen will Bewusstsein für steigenden Einfluss der sozialen Medien und Smartphones auf die Kommunikation und Erziehung schaffen

Seit rund einer Woche prägen sie das Straßenbild an den Bushaltestellen im Stadtgebiet: Plakate mit Cartoon-Zeichnungen und dem Slogan „Sprich mit mir“.

Die Szenen von Müttern oder Vätern mit ihren kleinen Kindern wurden gezeichnet von der Künstlerin und Cartoonistin Renate Alf aus Weimar. Sie hat verschiedene Situationen skizziert, in denen das Elternteil seine Aufmerksamkeit dem Smartphone schenkt und nicht mit dem Kind kommuniziert.

Dabei macht sie auf ein wachsendes Problem in der Gesellschaft aufmerksam - aber ohne den erhobenen Zeigefinger zu nutzen, sondern so, dass der Betrachter den Hinweis gut akzeptieren kann und das Ganze auch noch lustig aussieht.

Stadtgrafiker Heiko Thurm hat diese Cartoons dann als Plakat und als Postkarte gestaltet. Die Plakate werden noch bis zum 12. Juni an 59 Stellen der Ströer-Schaukästen zu sehen sein. Zudem werden kostenfrei Postkarten mit den sechs unterschiedlichen Motiven verteilt, sie liegen im Bürgerbüro Stadtmitte aus.

Bei der Kampagne geht es nicht darum, elektronische Medien zu verunglimpfen. Es geht ums Bewusstsein-Schaffen, dass Kinder viel mehr vom Eltern-Verhalten mitbekommen als gedacht.

Hinter dieser Aktion steht das Netzwerk „Frühe Hilfen Bergisch Gladbach“. In dieser Arbeitsgemeinschaft sind alle Institutionen in Bergisch Gladbach vertreten, die zum gesunden Aufwachsen von Kindern beitragen können. Dazu gehören z. B. Frauen- und Kinderärztinnen und -ärzte , Hebammen, Schwangerschafts- und Erziehungsberatungsstellen, Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Familienzentren sowie Familienbildungsstätten.

Das Netzwerk möchte mit der Plakataktion „Sprich mit mir“ den Eltern ihr Verhalten gegenüber den Kindern im Zusammenhang mit der Nutzung moderner Medien bewusster machen. „Manchmal hat man den Eindruck, dass es ohne Smartphone gar nicht mehr geht. Wenn es aber um den Umgang mit Kindern geht und vor allem mit ganz kleinen Kindern, dann stehen diese im Mittelpunkt und wir müssen uns auf die Interaktion mit ihnen konzentrieren“, erläutert Athanasia Mantziou, die für die Netzwerkarbeit in der Stadtverwaltung zuständig ist.

„Der Säugling nimmt schon in den ersten Monaten die ihm vertrauten Gesichter und Stimmen wahr und er hat schon ein Gespür für Angenehmes oder weniger Angenehmes. Wenn wir uns dem Kind zuwenden, dann zeigt es uns die Freude und das Wohlsein. Dass wir uns ggf. gerade gar nicht mit ihm, sondern mit dem Smartphone beschäftigen und böse auf die Firma sind, die unberechtigt Geld von unserem Konto abgebucht hat, kann der Säugling nicht verstehen und bezieht unsere schlechte Stimmung in dem Telefonat vielleicht auf sich“, weiß die Fachfrau. „Der Säugling nimmt uns als Eltern mit allen Sinnen wahr: hören, riechen, sehen, fühlen, schmecken. Wenn Eltern ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, fehlt die Konzentration auf das Kind, wir bekommen nicht mit, was es gerade beobachtet und wir können seine Handlungen nicht sprachlich begleiten“, beschreibt die Expertin und betont: „Gerade in den ersten Wochen und Monaten ist es wichtig, die Wachphasen des Kindes zu nutzen.“

Das gilt nicht nur für Kleinkinder. Die persönliche Zuwendung und das persönliche Gespräch sind die Grundlage des Vertrauens in die Welt, die für Kinder spannend, aufregend aber manchmal auch beängstigend ist. Eltern können durch ihr Verhalten viel dazu beitragen, dass Vertrauen und Zutrauen in die eigenen Kräfte gedeiht.

Über das Netzwerk „Frühe Hilfen Bergisch Gladbach“

„Frühe Hilfen“ sind im doppelten Sinne früh: Zum einen begleiten sie Eltern bereits vor der Geburt ihres Kindes und vor allem in den ersten Lebensjahren und zum zweiten sollen sie präventiv wirken, das heißt, sie sollen vermeiden helfen, dass Schwierigkeiten auftreten bzw. wenn Schwierigkeiten auftreten von Beginn an zur Seite stehen.

Finanziert wird die Aktion zum einen durch die Bundesinitiative „Frühe Hilfen“, denn es ist ein bundespolitisches Anliegen, aufeinander abgestimmte und ineinandergreifende Hilfen und Unterstützung den Familien anzubieten und zum zweiten vom Verein BÜRGER FÜR UNS PÄNZ. Dieser hat sich auf die Fahne geschrieben, Bergisch Gladbach (noch) kinder- und familienfreundlicher zu machen. Er unterstützt die Projekte der „Frühen Hilfen“.