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Fair-Trade-Projekt unter der Lupe

Drei Schüler aus Bergisch Gladbach gewinnen Preise der Dr. Hans-Riegel-Stiftung

Fair-Trade-Projekt unter der Lupe

Die Stadt Bergisch Gladbach freut es besonders, dass gerade das Projekt „Fair Trade Town“ von Merlin Kammerer intensiv analysiert worden ist. „Ich habe die Fair-Trade-Siegel in der Stadt erst gesehen, nachdem mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat und da wollte ich der Frage nachgehen, ob das auch anderen so geht“, erklärt die Schülerin, wie sie auf das Thema der Facharbeit gekommen ist. Im Frühjahr 2013 begann die damalige Elftklässlerin mit ihrer Untersuchung.

Den Anfang machte ein Fragebogen, den sie sich von 100 Personen beantworten ließ. „Erstaunlich war für mich, dass tatsächlich nur 25 Prozent der Befragten wussten, dass Bergisch Gladbach Fair-Trade-Stadt ist“, berichtet die 17-Jährige. Auch die Kampagne der Stadt zu dem Thema wurde nur von knapp 20 Prozent der Befragten wahrgenommen.

Umfassende Befragung


Aber Merlin Kammerer fragte die Teilnehmer auch, wie sich die Stadt besser als Fair-Trade-Stadt präsentieren kann. Dabei waren aus Sicht der Befragten die Aspekte „Mindestzahl von Fair-Trade-Geschäften“, „verstärkte Werbung“ sowie der „Appell, besonders auf die Angebote zu achten“ wichtig.

Auch ein Händler von Fair-Trade-Produkten kommt in der Arbeit zu Wort. So erklärt Ulrich Zeuge vom Bensberger Weinlädchen, dass es noch wenige Lieferanten mit Fair-Trade-Wein gibt. „Fair-Trade ist eine schöne Idee“, findet Weinhändler Zeuge. Wobei aus Sicht des Bensbergers zu betonen ist, dass „Essen und Getränke auch in Zukunft zur Verfügung stehen sollten und es wichtig ist, dass die Menschen in der Dritten Welt darin mit berücksichtigt werden.“

Nancy Werner, die das Projekt in der Stadtverwaltung koordiniert, wurde ebenfalls zu ihrer Arbeit befragt. Sie erklärt, dass Kaffee, Orangensaft und brauner Zucker aus fairem Handel beispielsweise bei Rats- und Ausschusssitzungen angeboten werden. Außerdem hat die Stadt Händler und Gastronome verstärkt für das Thema sensibilisiert. Nancy Werner äußert aber auch eine Bitte: „Ich wünsche mir, dass sich die Schulen stärker engagieren.“

Facharbeit auf Englisch

Da das Fach Erdkunde am AMG bilingual auf Englisch gelehrt wird, verfasste die 17-jährige Lückeratherin die Arbeit komplett auf Englisch. Die Frage „Fair Trade Town Bergisch Gladbach - Really fair or just prestige?“ (“Verwirklicht die Fair-Trade-Stadt Bergisch Gladbach das Thema “fairer Handel” oder ist es nur ein Prestige?“) beantwortet sie letztlich positiv: Bergisch Gladbach nutzt ohne Zweifel den Prestige-Wert des Fair-Trade-Themas, aber die Stadt tut auch etwas dafür, dass der Kauf von fair gehandelten Produkten für die Bevölkerung sichtbar wird.

„Ein Jahr nach dem Start als „Fair-Trade-Town“ ist schon Einiges erreicht worden“, schreibt Merlin Kammerer. Aber es müsse natürlich weiter investiert werden, damit die Menschen mehr und mehr beim Einkaufen den „Fair-Trade-Gedanken“ wahrnehmen – alles andere wäre gegen den Trend und die Entwicklung. „It is only right, that Bergisch Gladbach supports fair trade as this is the only way fort he developing world to become economically independent. … I am optimistic because not using fair trade would be against progress.”

600 Euro Preisgeld

Der Bergisch Gladbacher Bürgermeister Lutz Urbach ist stolz, dass dieses Projekt von einer Oberstufenschülerin so unter die Lupe genommen wurde. Er freut sich über die fundierte Analyse und will mit seinem Team versuchen, die Ergebnisse und Ideen umzusetzen. „Ich gratuliere Merlin Kammerer ganz herzlich zu diesem Preisgewinn“, erklärt Urbach. Die Facharbeit soll auch zeitnah auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden.

Merlin Kammerer freut sich natürlich auch sehr über die Auszeichnung, mit der sie gar nicht gerechnet hat. „Ich habe meine Facharbeit zurückbekommen und bekam dann den Hinweis von meiner Lehrerin, dass ich mich bei der Hans-Riegel-Stiftung damit bewerben könnte“, erinnert sie sich. „Dann habe ich nur schnell ein paar Fehler korrigiert und das Ganze auf den Weg gebracht.“ Mit dem Preisgeld von 600 Euro macht Merlin jetzt in den Herbstferien eine Reise in die britische Hauptstadt: „Ich liebe die englische Sprache, ich war auch ein Schuljahr in Großbritannien und freue mich auf London.“

Über die Dr. Hans-Riegel-Stiftung:

Die deutsche Dr. Hans Riegel-Stiftung wurde 1987 gegründet und ist seit dem Jahr 2000 gemeinnützig. Ihren Sitz hat die Stiftung in Bonn. Die Dr. Hans Riegel-Fachpreise zeichnen wissenschaftliche Arbeiten aus, die bereits in der Schule erstellt werden. So werden junge Talente gefördert und bringen Schulen mit Universitäten in Kontakt.