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Checkliste für Barrierefreiheit

Barrierefrei-Bauen für alle

Barriere Frei

Bevor Sie richtig loslegen, bevor Sie sich intensiv mit der Broschüre beschäftigen, möchten wir Sie bitten, zu den Zeichnungen auf der linken Seite zu gehen.
Schauen Sie sich in Ruhe die Zeichnungen an. Schließen Sie Ihre Augen. Welches der Bilder kommt Ihnen spontan wieder in den Sinn? Welches Bild bringen Sie am ehesten mit dem Begriff Behinderung in Verbindung?

  • den Rollstuhlnutzer
    in Verknüpfung mit dem Begriff
    Behinderung eine weit verbreitete Reaktion. In diesem Fall würden wir Sie im Folgenden gerne sensibilisieren, dass Barrieren viele Menschen einschränken und eben nicht nur Rollstuhlnutzer.

oder

  • die Frau mit Kinderwagen
    für die bereits normale Treppenstufen zu einer hohen Hürde werden können.


Egal welches Bild Ihnen in den Sinn gekommen ist, jedes verdeutlicht auf sehr anschauliche Weise:

Behindert ist man nicht, behindert wird man!

Barrieren und Hindernisse sind in unserem Alltag für viele Menschen in unterschiedlicher Weise erleb- und fühlbar.

Zum Beispiel für

  • Eltern mit Kinderwagen
  • das Kleinkind, das gerade erst Treppensteigen lernt
  • den sehbehinderten Mann, der verzweifelt nach einem für ihn lesbaren Hinweisschild sucht
  • die Frau mit Leseschwäche, die vor dem Fahrscheinautomaten kapituliert
  • den begeisterten Sportler - seit gestern mit Gipsbein unterwegs
  • Reisende, die nach ihrem Urlaub alle Hände voll Reisegepäck haben
  • Menschen, deren Leibesfülle sie nicht nur beim Treppensteigen ins Schwitzen bringt, für die aber auch schmale Türen ein Hindernis darstellen
  • Senioren und Seniorinnen, die mit einem Rollator oder einer Gehhilfe unterwegs sind
  • den hörbehinderten Jungen, der beim Kinobesuch mit seinen Freunden nur wenig zu hören bekommt
  • Menschen, die durch ihr Gelenkrheuma Schwierigkeiten haben, kleine Knöpfe zu drücken oder mit der Karte Geld abzuheben


All diese Menschen haben aber eins gemeinsam:
Sie möchten ein eigenständiges, möglichst "normales" Leben führen. Sie möchten ohne Hilfe in ihre Wohnung und in die von Freunden und Verwandten gelangen. Sie möchten einkaufen, Ämter- und Behördengänge erledigen, zur Ärztin oder zum Krankengymnasten gehen, durch die Stadt bummeln, ein Café besuchen, Urlaub machen, ohne Hindernisse überwinden zu müssen. Sie wünschen sich, ohne Hilfe das WC benutzen oder sich versorgen zu können. Sie möchten ins Kino gehen und ins Konzert, in den Jugendclub, auf den Kinderspielplatz und ins Schwimmbad.
Damit das möglich ist, sind sie auf eine barrierefreie Umwelt angewiesen.


Der Begriff der Barrierefreiheit ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) sowie in den Behindertengleichstellungsgesetzen der Länder definiert:

§ 4 BGG NRW Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist die Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der gestalteten Lebensbereiche für alle Menschen. Der Zugang und die Nutzung müssen für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich sein; hierbei ist die Nutzung persönlicher Hilfsmittel zulässig. Zu den gestalteten Lebensbereichen gehören insbesondere bauliche und sonstige Anlagen, die Verkehrsinfrastruktur, Beförderungsmittel im Personennahverkehr, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen.


Diese Definition bedeutet, dass es bei Barrierefreiheit grundsätzlich um die Belange aller Menschen geht und die Belange von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu berücksichtigen sind. Außerdem bezieht sich Barrierefreiheit nicht nur auf Bauten, sondern auch auf weitere Aspekte, wie zum Beispiel die Kommunikation und Informationen.

Barrierefreiheit ist eine wichtige Voraussetzung, um Menschen mit Behinderungen eine volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Daher ist die Herstellung einer für alle Menschen zugänglichen und nutzbaren Umwelt auch ein wichtiges Handlungsfeld, das im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention – in Deutschland am 26.03.2009 in Kraft getreten) benannt wird. In der UN-Behindertenrechtskonvention wird der Begriff „Universelles Design“ verwandt und wie folgt definiert:

Artikel 2 UN-Behindertenrechtskonvention-Begriffsbestimmungen

Im Sinne dieses Übereinkommens bedeutet „universelles Design“ ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen in der Weise, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können. „Universelles Design“ schließt Hilfsmittel für bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderungen, soweit sie benötigt werden, nicht aus.


In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für die barrierefreie Gestaltung öffentlicher Bereiche zunehmend gewachsen, auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Das Engagement der gesamten Gesellschaft ist jedoch gefordert, um noch bestehende Barrieren konsequent abzubauen und bei Neubauten eine umfassende Barrierefreiheit im Sinne eines „universellen Designs“ / „Designs für Alle“ zu verwirklichen.

Uns ist wichtig, mit dieser Broschüre für ein barrierefreies, menschengerechtes Planen und Bauen zu werben und gleichzeitig zu informieren, was dabei zu beachten ist. Wir möchten Sie

  • als Bürgerin und Bürger
  • als Architektin und Wohnungsbauträger
  • als Planerin und Handwerker
  • als potentielle Bauherren im öffentlichen Bereich
  • als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kreis-, Stadt- und Gemeindeverwaltungen genauso wie als Mitglieder des Stadt- oder Gemeinderates


also Sie alle, die Sie in Ihrem persönlichen Umfeld oder Arbeitsbereich auf
barrierefreies Planen und Bauen Einfluss nehmen können, für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft gewinnen.

Sie können ...

  • als Bürgerin und Betroffene städtische Bauvorhaben einsehen und gegebenenfalls Einspruch dagegen erheben oder Bedenken anmelden. Solche Bedenken müssen dann diskutiert werden.
  • als privater Bauherr oder Investorin Ihr Haus von vornherein so planen, dass Sie es auch im Alter uneingeschränkt nutzen oder Besuch zum Beispiel von Freunden und Angehörigen mit Behinderungen bekommen können.
  • als Architektin bei jedem Projekt beweisen, dass barrierefreies Bauen und eine ansprechende Gestaltung sich sehr gut miteinander vereinbaren lassen und dass gutes Design im Sinne eines „Design für Alle“ Lebensqualität schafft.
  • als Mitarbeiterin der Verwaltung Bauprojekte anhand dieser Checkliste auf Barrierefreiheit überprüfen und Anregungen für die Erfüllung dieser Vorgaben geben.
  • als Mitglied im Stadtrat Bauvorhaben in Ihrer Stadt ebenfalls daraufhin überprüfen. Denken Sie an die Vorbildwirkung der Stadt bei eigenen Vorhaben und an die Möglichkeit, Anreize für barrierefreies Bauen zu schaffen.
  • als Handwerker und Gewerbetreibende mit entsprechenden Produkten werben: gut zu bedienende Schalter, Griffe und Armaturen, trittsichere Fliesen und Bodenbeläge, Sanitärobjekte, Möbel, Büro- und Kücheneinrichtungen, die flexibel auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen eingehen.


Barrierefreies Planen und Bauen ist ein Planen und Bauen für alle Menschen, eine Architektur für heute und morgen! Es ermöglicht allen Menschen ein weitgehend gefahrloses, hindernisfreies Erreichen und die Nutzung aller für Menschen bestimmten Wege und Gebäude. Es ist langfristig gesehen auch kostengünstiger als alle anderen Formen des Bauens und es schließt niemanden aus.
Europaweite Studien haben bestätigt, dass ein „Design für Alle“ bereits heute für 10 Prozent der Bevölkerung unentbehrlich, für 30 bis 40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel und ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist (Quelle: Faltblatt EDAD – Europäisches Netzwerk Design für Alle Deutschland e.V.).

Den Anregungen in dieser Broschüre liegen insbesondere die DIN-Norm 18040-1 und 18024 Teil 1 zugrunde, sie gehen aber auch darüber hinaus. Dabei wurden auch Anregungen berücksichtigt, die seit der ersten Auflage der Checkliste im September 2001 von den unterschiedlichen Nutzern und Nutzerinnen gegeben wurden.

Die Checkliste gibt einen ersten Einblick in das Thema „Barrierefreies Planen und Bauen“, hat jedoch nicht den Anspruch, abschließend zu allen Themen des barrierefreien Bauens zu informieren. Vielmehr gibt das Literaturverzeichnis Hinweise, wo weitere Informationen zu beziehen sind.

Die Checkliste ersetzt nicht die rechtzeitige Abstimmung von geplanten Bauvorhaben mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen (siehe
Kapitel II. 2, Seite 11) ggf. zum Beispiel durch Beteiligung des Behindertenbeirates. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass nur eine rechtzeitige Beteiligung der Betroffenen eine bedarfsgerechte barrierefreie und passgenaue Gestaltung zur Zufriedenheit der Nutzer und Nutzerinnen mit Behinderungen gewährleistet.