Firmenporträts
In diesem Monat stellen wir Ihnen vor:
Max Baermann Holding AG
Ein Tal voller Ideen – Max Baermann
In einem Tal zwischen Herkenrath und Immekeppel hat die Firma Max Baermann seit über 70 Jahren ihren Sitz. Hier, in dieser grünen Idylle, werden High-Tech-Produkte für verschiedene Industriebereiche entwickelt, produziert und rund um den Globus verkauft. Knapp 900 Patente wurden von dem Familienunternehmen angemeldet, das heute durch Holger Baermann in dritter Generation geleitet wird. Unter den vielen Entwicklungen sind zwei besonders bekannt, da sie in fast jedem Haushalt zu finden sind: kunststoffgebundene Magnete für Kühlschranktüren und Drehstromzähler. Die Firma zählt zu den wenigen Herstellern dieser besonderen Magnete weltweit, die in Schrittmotoren und Mikromotoren, Sensormagneten, Armaturen-Instrumenten und der Computer-Peripherie zum Einsatz kommen.
Es begann mit einem Stolpern und rettete schließlich vielen Kindern das Leben
1935 fiel dem Firmengründer Max Baermann, damals bei Dynamit Nobel, ein Magnet zu Boden und zerbrach. Er klebte ihn mit Epoxidharz – der Prototyp des kunststoffgebundenen Magneten war geboren. Dank der Flexibilität können diese Magnete in unterschiedlichsten Funktionen in den verschiedensten Bauteilen eingesetzt werden. Sie ersetzten zum Beispiel die Schnappverschlüsse der Kühlschränke und retteten damit vielen Kindern das Leben. Alleine in Deutschland erstickten in der Nachkriegszeit über 40 Kinder jährlich in den großen Kühlschränken. Dank des magnetischen Verschlusses konnten diese erstmals auch von innen aufgedrückt werden. Für diese Entwicklung gab es als Anerkennung ein Dankschreiben aus dem Weißen Haus.
‚Drive by wire‘ mit null Prozent Fehlerquote
Heute profitiert vor allem die Automobilindustrie von dem Know-how bei Baermann. In einem Fahrzeug der Oberklasse sind bis zu 220 Magnete verbaut – in Elektronikschaltern, den Motoren oder als Sensoren bei elektrischen Fensterhebern. Tachometer, Drehzahlmesser, Leuchtweitenregulierung und elektrisch verstellbare Sitze sind weitere Bauteile, bei denen Magnete eingesetzt werden. Der Trend heißt ‚drive by wire‘ wie beim Electronic Power Steering, einer mitdenkenden und unterstützenden Lenkung. Dabei wird die Lenkradstellung im Fahrzeug über einen mehrpoligen Magnet elektronisch abgefragt, und die dabei entstehenden Signale steuern die Vorderräder über hydraulische oder elektromotorische Komponenten. Die schwere Lenkstange wird somit in Zukunft nicht mehr benötigt, was zu Benzineinsparung führt. Berechnet werden die Magnete mittels der Finite-Elemente-Methode, wobei Millionen von Differentialgleichungen im Computer gelöst werden. Dabei dürfen keine Abweichungen auftreten – null Prozent Fehlerquote lautet die Vorgabe. Entsprechend hoch sind die QS-Prozesse bei Baermann.
Entwicklungen – Internationalisierung – Ausbau
Der Unternehmensgründer Max Baermann war vor allem ein Entwickler, 876 der Familien-Patente gehen auf ihn zurück. Er betrieb die Firma als ein physikalisch-technisches Laboratorium. Die zweite Generation, sein Sohn Horst, trieb den Produktionsausbau und die Internationalisierung voran, mit Tochtergesellschaften und Joint-Ventures in Indien und China. Auch Enkel Holger, der seit 2010 der AG vorsteht, verfolgt einen weiteren Wachstumskurs. Die Einsatzgebiete und –szenarien für die Magnete sind unglaublich vielfältig. Gegenwärtig werden über 200 Millionen Magnete jährlich im Wulfshof und dem zweiten Werk in Neunkirchen-Seelscheid produziert. Hier gilt, wie in vielen Industriebereichen: Der technologische Vorsprung sichert die Marktposition gegenüber den Billiganbietern. Aber er muss, auch in dem kleinen Industriekosmos im Wulfshof stetig weiter vorangetrieben werden.