Brailledrucker: Städtische Bescheide fühlbar gemacht

Vorstellung des neuen Brailledruckers
Stellen den neuen Braille-Drucker vor: DV-Chefin Thoben, Beiratsmitglied Sandner, Beiratsvorsitzender Lauten, Bürgermeister Orth
 
Die Stadt Bergisch Gladbach bietet eine neue Dienstleistung für blinde und sehbehinderte Bürgerinnen und Bürger an: Dokumente, Briefe, Bescheide können bei Bedarf nicht nur in Großdruck oder elektronisch zur Verfügung gestellt, sondern auch in Blindenschrift angefordert werden.

Der Text wird dann mit einem kürzlich angeschafften Spezialdrucker ausgedruckt, besser gesagt gestanzt und damit fühlbar gemacht. Diese Dienstleistung setzt einen weiteren Punkt der Zielvereinbarung zwischen dem Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderungen und der Stadt Bergisch Gladbach um, nämlich dass "sehbehinderten Menschen bei Bedarf und auf Anforderung Dokumente in einer für sie wahrnehmbaren Form zur Verfügung gestellt" werden sollen. Für die Adressaten ist der Service kostenlos.

Die Zielvereinbarung haben Beirat und Stadt Anfang 2008 unterzeichnet; sie basiert auf dem Behindertengleichstellungsgesetz und umfasst ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Barrierefreiheit, zu deren Umsetzung sich die Stadt Bergisch Gladbach innerhalb der nächsten fünf Jahre bereit erklärt hat. Für die Anschaffung des Brailledruckers hat sich ganz besonders die Behindertenbeauftragte der Stadt, Hildegard Allelein, eingesetzt. Im Frühjahr 2009 wurde das Gerät geliefert; nach Installation, Einrichtung und Montage eines Schallschutzes (der Druck ist mit kräftiger Geräuschentwicklung verbunden) kann es nun eingesetzt werden. Die Kosten schlugen mit insgesamt knapp 6.500 Euro zu Buche. Davon sind 3.000 Euro finanziert durch Geschäftsmittel des Beirats inklusive einer größeren Spende.

Die Technik des Brailledruckers erinnert entfernt an einen Nadeldrucker der ersten PC-Generationen. Die Hiebe des Brailledruckers aufs Papier sind allerdings sehr viel kräftiger, denn es geht ja darum, ertastbare Erhebungen zu produzieren. Normales Papier kann man dazu nicht gebrauchen; verwendet wird eine spezielle, stärkere Qualität, die sogar doppelseitig bedruckt werden kann. Die Dateivorlage wird dazu auf dem mit dem Drucker verbundenen PC mittels einer speziellen Software in Punktschrift übersetzt.

Nicht nur in Bergisch Gladbach können die Menschen mit Sehbehinderung von dem städtischen Brailledrucker profitieren. Die Stadt will auch anderen Kommunen, öffentlichen Einrichtungen und Privatleuten anbieten, ihre Korrespondenz hier drucken zu lassen, wenn Punktschrift gewünscht wird. Kostenlos ist der Ausdruck allerdings nur für die Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen, wenn sie hier Unterlagen anfordern. Für alle anderen gibt es einen Gebührentarif, der die Selbstkosten deckt. Ganz billig ist der Service nicht: Fünf Euro kostet der Ausdruck einer Datei. Hinzu kommen noch 1,10 Euro pro ausgedrucktem Blatt und ggfls. Portokosten. Wo sich die Anschaffung eines eigenen Gerätes nicht lohnt, kann aber durch die Mitnutzung das eigene barrierefreie Dienstleistungsangebot auf einfache und wirtschaftliche Weise ergänzt werden.

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